Francoise Dorner – Die letzte Liebe des Monsieur Armand

Monsieur Armand führt ein Leben, wie es trauriger nicht sein könnte. Seit langer Zeit hat er die Lust an den schönen Dingen verloren. Daher schleppt sich der pensionierte Philosophie- und Lateinlehrer täglich ein Stück weiter durch das Leben, das ihm nichts mehr zu bieten scheint. Seit dem Tod seiner Frau entfremdet er sich mehr und mehr von seinen Kindern, die ihn scheinbar bereits aus ihrem Leben ausgeschlossen haben. Die wenigen Treffen mit ehemaligen Kollegen sowie die regelmäßigen Besuche der Zugehfrau sind die einzigen sozialen Kontakte des Pensionärs.

Plötzlich trifft der alte Herr im Bus jedoch auf Pauline. Sie ist eine 20-jährige Verkäuferin, die bereits in jungen Jahren ihre Eltern verlor und daher meint, das Leben zu kennen. Sie hilft dem alten Mann nach einem kurzen Stolpern wieder auf die Beine und holt ihn unbewusst mit ihrer charmanten Art zurück ins Leben. Die Sehnsucht nach der unbekannten Helferin lässt den Pensionär wieder aufleben. Für Monsieur Armand beginnt eine aberwitzige Suche nach der jungen Frau in den Straßen von Paris, die nach viel Mühe von Erfolg gekrönt ist.

Die besondere Freundschaft zwischen dem Eigenbrötler und der jungen Pauline, die in Monsieur Armand einen Wunschgroßvater sieht, wird zum vorübergehenden Rettungsanker der beiden Einzelkämpfer. Ihre zauberhafte Freundschaft besteht aus einem gegenseitigen Geben und Nehmen, denn Pauline lehrt den ehemaligen Philosophielehrer mit ihrer jugendlichen Sichtweise mehr, als ihm seine Bücher je beibringen konnten. Die kurze, aber intensive Beziehung der beiden ist freundschaftlicher, familiärer und häufig philosophischer Natur.

Daß ich meine Fehler eingestand, verlieh mir Flügel, statt mich zu schwächen. Vielleicht war es jugendlicher Übermut. Und es war noch nicht unbedingt zu spät. Leichtsinn kennt kein Alter.
– Seite 102 – 

Françoise Dorner hat mit ihrem Roman Die letzte Liebe des Monsieur Armand eine zarte Geschichte rund um die Freundschaft zwischen den Generationen verfasst. Sie steckt voller Magie und vermittelt unbewusst das besondere Gefühl der französischen Lebensart. Was zunächst eine weitere Story rund die Beziehung von einem alten Mann zu einer jungen Frau vermuten lässt, überrascht schnell mit der Unschuld und Leichtigkeit der ungewöhnlichen Verbindung. Die Erzählweise ist derart sensibel und detailverliebt, dass der Leser die alten Bücher und die trostlose Wohnung des griesgrämigen Philosophielehrers beim Lesen fast zu spüren scheint. Bereits die ersten Seiten laden ein, Teil von etwas ganz Besonderem zu sein.

Die letzte Liebe des Monsieur Armand ist ein gefühlvoller Roman, der an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln verleitet und dem Leser auf der nächsten Seite vor Rührung die Tränen in die Augen treibt. Die Protagonisten nehmen sofort einen Platz im Herzen des Lesers ein und tragen ihn durch diese magische Geschichte. Die deutsche Regisseurin Sandra Nettelbeck verfilmt Françoise Dorners Roman mit dem Originaltitel Mr. Morgan’s Last Love. Bis 2013 müssen wir uns allerdings noch gedulden. Vorfreude pur.

Ich habe dem Göttlichen zeit meines Lebens nie viel Aufmerksamkeit gewidmet, sondern das Problem alljährlich an meine Schüler delegiert, indem ich ihnen für den ersten Aufsatz das Thema: »Gott ist tot« stellte. […] Aber Gott ist offensichtlich nicht rachsüchtig, wenn er noch lebt.
– Seite 137–

Roman, Taschenbuch, 144 Seiten.
Erschienen: Dezember 2008 (als Taschenbuch) im Diogenes Verlag.
ISBN: 978-3-257-23903-4
€ (D) 7,90 / (A) 8,20
SFR (CH) 10.90*
* unverb. Preisempfehlung

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