Joey Goebel – Ich gegen Osborne

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Roman, Hardcover Leinen, 432 Seiten.

Erschienen: März 2013 im Diogenes Verlag.

ISBN: 978-3-257-06853-5

€ (D) 22,90 / (A) 23,60

SFR (CH) 32.90*

* unverb. Preisempfehlung

Originaltitel: I against Osbourne

Hier geht’s lang zur Leseprobe.

Old School vs. New School

James Weinbach ist ein wahrer Gentleman und macht der Alten Schule alle Ehre. Er trägt liebend gerne die Anzüge seines Vaters und ergötzt sich an sanften Jazzklängen. James Weinbach ist allerdings auch 17, besucht die Highschool, ist ein Außenseiter und lebt in einer Zeit, in der seine Mitschüler exzessiv zu dröhnenden Rap-Bässen die Hüften schwingen. Während er den Spring Break zu Hause auf der Beerdigung seines Vaters verbringt, nutzen die anderen die Ferien zum Drogenkonsum, Feiern und Ausleben ihrer neu entdeckten Sexualität. James verachtet seine Mitschüler für ihre Ignoranz und muss erschrocken feststellen, dass sich auch die von James verehrte Chloe im Spring Break in Panama City Beach den profanen Dingen des Teenagerlebens hingegeben hat.

„Dannon schien ein wirklich netter Kerl zu sein, doch sein ganzes Auftreten und Erscheinungsbild waren cool, und ich hegte unwillkürlich ein heftiges Misstrauen gegen alles Coole.“ – Seite 113 –

Als James am ersten Tag nach den Osterferien, nur wenige Tage nach dem Tod seines Vaters, an die Schule zurückkehrt, ahnt er nicht, dass alle seine Mitschüler am Ende des Tages seinen Namen kennen werden. Bis es so weit ist, ist er allerdings ein unscheinbarer Teil eines Universums, dem er nur mit Verachtung entgegnen kann. Die Banalitäten und Oberflächlichkeiten des täglichen Lebens sowie die Gruppenbildung machen ihm derart zu schaffen, dass es nicht lange dauert und er sich als Reaktion auf eine vernichtende Textkritik vollkommen ausrastet und auf seine ganz persönliche Weise mit jedem Schüler abrechnet. Er ahnt nicht, dass er mit seiner gewaltfreien Revolution nicht nur unzählige Schüler ins Unglück stürzt, sondern auch einigen Gleichgesinnten den schönsten Tag ihres Lebens beschert. An der Osborne High wird nichts mehr so sein wie zuvor…

Ein Tag im Leben des James Weinbach, Schriftsteller

Joey Goebel erzählt einen Tag an der Highschool aus dem Leben des Außenseiters James Weinbach. James möchte sich verzweifelt von seinen Mitschülern abheben, da er jegliche gemeinsame Basis negiert. Seine Mitschüler versuchen alles, um sich in einer Gruppe ihrer Wahl zu integrieren – unter anderem bei den Cheerleadern, den Nerds oder den Coolen –, um der eigenen Unsicherheit einen Schutzschild zu bieten und die Tage an der Highschool unbeschadet zu überstehen. James hingegen verweigert sich dieser zwanghaften Integration, trotzdem muss er sich im Gegensatz zu vielen anderen Teenagern nur rudimentär mit dem Thema Mobbing befassen. Vielmehr begegnet James seiner Umwelt mit viel Arroganz, Verachtung und teilweise auch der von ihm so häufig kritisierten Ignoranz.

„Doch sie alle sahen glücklich aus. Sie alle saßen nicht allein in ihrem Auto. Gemeinsam nickten sie rhythmisch mit den Köpfen. Mit einer Hand schnippten sie Zigarettenasche aus dem Fenster, und die andere Hand lag auf ihrem Freund oder ihrer Freundin. Sie berührten einander, weil es für sie ganz natürlich war.“ – Seite 431 –

Während Joey Goebel die Geschichte von dem ambitionierten und kritischen Schriftsteller James erzählt, erweckt er einen Sonderling mit Ecken und Kanten zum Leben. Ebendieses gibt er ihm auch als Herausforderung mit auf den Weg. Joey Goebel beschreibt einen Außenseiter, der sich eben nicht anpassen will, da er sich nicht mit den Oberflächlichkeiten seiner Umwelt auseinandersetzen möchte – doch genau dieser begegnet er mit unzähligen Vorurteilen. Der Tag des James Weinbach, der zwischendurch wie ein alter knorriger Mann im Körper eines Jugendlichen erscheint, wird mit jeder Menge Scharfsinn, Ironie und Humor erzählt. Ein Roman, der die Klischees der Highschool, aber auch des Lebens, der Außenseiter sowie des Mainstreams nicht besser erzählen könnte.

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    • Guten Morgen liebe Tintenelfe,

      ich würde es definitiv für einen Lesekreis empfehlen. Das Buch bietet derart viel Diskussionspotenzial, dass ihr sicherlich ein ganzes Weilchen darüber sprechen könnt! 🙂

      Liebe Grüße
      Katha

      • Danke, liebe Katha, dann setz ich das mal auf die Vorschlagsliste, damit wir beim nächsten Mal nicht wieder in die Verlegenheit kommen, ein allgemeines Thema festzulegen und jeder kann sich was aussuchen. Finde ich eher ungünstig, auch wenn mein SUB sich dann freut. 🙂

        Liebe Grüße,
        Mona (Tintenelfe)

        • Ich bin gespannt, ob ihr es lesen werdet. Kann man denn eigentlich eure verschiedenen Meinungen auch irgendwo nachlesen? Das wäre ziemlich interessant und würde mich besonders bei diesem Roman ziemlich interessieren. 🙂

          Liebe Grüße
          Katha

          • Das habe ich bisher noch nie gemacht, wäre aber mal eine Idee. Ich hatte sowieso überlegt, meinen Lesekreisen mehr Gewicht auf dem Blog zu verleihen und hatte auch schon mal eine „Sternebewertung“ zu den gelesenen Büchern abgefragt. Da haben immerhin alle Rückmeldung gegeben, manche aber auch eher murrend. Verschriftlichen und Bloggen ist nicht jedermanns Sache. In Rezis schreibe ich manchmal, wie das Buch allgemein bei den anderen angekommen ist.

  • Klingt nach einer tiefschürfenden Lektüre, deren Thematik die Zeiten überdauern kann und dabei doch stets aktuell bleibt.
    Liebe Katha, du hast in deiner Empfehlung wieder einmal äußerst gekonnt Akzente gesetzt, gefällt mir absolut!

    Sommerliche Stöbergrüße,
    Kora

    • Ja, ich denke dieser Roman wurde für die Ewigkeit geschrieben. Ich kann ihn dir nur ans Herz legen. 🙂

      Drück dich,
      Katha