Sólveig Jónsdóttir – Ganze Tage im Café

35981-186x300Format | Umfang: Taschenbuch | 415 Seiten.
Verlag: insel taschenbuch
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Erscheinungstermin: Januar 2014.

ISBN: 978-3-458-35981-4
Preis: € (D) 9,99 | (A) 10,30
sFr (CH) 14,90*
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Hier geht’s lang zur Leseprobe.

Die Geschichte von vier Frauen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen.

Die Januarnächte in Reykjavik sind von Dunkelheit und Tristesse geprägt. Das Leben von Hervör, Silja, Mía und Karen ist zu dieser Zeit jedoch nicht weniger düster. Obwohl sich die Lebenswege der vier Frauen kaum berühren, sind ihre Gemeinsamkeiten größer, als es zunächst scheinen mag. Auf den ersten Blick drehen sich die Probleme der vier Frauen um Männer: Hervör führt mit ihrem ehemaligen Professor eine Gelegenheitsbeziehung, Mía wird von ihrem Freund für eine andere Frau sitzgelassen, Silja begegnet eines Morgens in ihrem eigenen Haus dem One-Night-Stand ihres Mannes und Karen wacht nach durchzechten Nächten ständig in den Betten fremder Männer auf.

Doch doch der erste Eindruck trügt, denn die Sorgen der Frauen sind weitaus existenzieller. Es geht darum, die Verantwortung für das eigene Leben in die Hand zu nehmen und sich nicht schicksalsergeben durch dessen Strom treiben zu lassen, bis irgendwann der unvermeidliche Untergang droht. Jede dieser Frauen hadert in irgendeiner Form mit dem eigenen Lebensweg und hofft daher, dass sich das Schicksal im Laufe der Zeit irgendwann wieder gnädiger zeigt. Doch die vier Frauen sind an einem Punkt im Leben angelangt, an dem sie sich entscheiden müssen: Geben sie auf oder nehmen sie das Leben mit all seinen Konsequenzen in die eigene Hand?

VIELLEICHT SOLLTE SIE SICH ENDLICH einmal aufraffen und eine Reise machen. Vielleicht endlich einmal ein ganzes Jahr weggehen. Endlos tief im Mastercard-Sumpf versinken und es in vollen Zügen genießen. Sie könnte unterwegs arbeiten. Wein in Frankreich lesen oder Kaffeebohnen in Kolumbien. Lesen, lesen, lesen – endlich ein neues Kapitel aufschlagen. Wie lange mochte es dann wohl dauern, bis er eine andere finden würde, mit der er die Nächte verbringen konnte? Nicht lange. – Seite 7 –

Ein Roman voller Höhen und Tiefen.


IMG_3006-3-1024x682Ganze Tage im Café
von Sólveig Jónsdóttir spielt zwar im tristen Reykjavik, doch es kann in der deutschen Ausgabe nicht nur mit einem fröhlichen Cover punkten. Auch die Sprache der deutschen Übersetzung scheint sich der Traurigkeit und den Problemen der Protagonistinnen mit aller Macht entgegensetzen zu wollen, denn von Schwermütigkeit fehlt durch die neutrale Darstellung des Erzählers jede Spur. Bis zum Ende präsentiert er die Geschichte jeder Frau in einem eigenen Handlungsstrang. Als Leser verfolgt man somit abwechselnd gleich vier Erzählungen, die sich wiederholt berühren, und zum Schluss zu einer Erzählung vereinen.

Hervör, Silja, Mía und Karen spiegeln darin verschiedene Frauentypen wider, die das Leben jede auf ihre eigene Weise meistern. Hervör scheint die Dinge, die ihr widerfahren, dabei mehr zu reflektieren als die anderen drei Protagonistinnen. Sie suhlt sich nicht in ihrem Elend, wie es zum Beispiel Mía oder Silja ausgiebig tun, sondern lebt ihr Leben sehr bewusst, wobei nicht nur die eigene Existenz im Vordergrund steht, sondern auch das Wohl ihres Umfeldes. Karen macht beinahe einen ebenso reflektierten Eindruck, doch scheint sie in ihrem eigenen gedanklichen Albtraum gefangen zu sein, wodurch sie in eine Art Teufelskreis von Partys, Männern, Selbsthass und vor allem Alkohol gerät.

Ganz anders erscheinen mir hingegen Silja und Mía. Sie zelebrieren das eigene Leben in der Opferrolle. Das ist anstrengend! Sehr sogar! Es wäre sehr schön gewesen. wenn die beiden irgendwann aktiv einen Weg zurück ins Leben gefunden hätten. Stattdessen warten sie meines Erachtens jedoch lieber auf irgendeine Form der Rettung. Das ist eine Eigenschaft, die mich persönlich total auf die Palme bringt. Somit erinnert mich Ganze Tage im Café ein bisschen an eine Achterbahnfahrt – ein Roman voller Höhen und Tiefen, wobei das abrupte Ende für mich dann leider einen Tiefpunkt darstellt – zu wenig Entwicklung der Protagonistinnen. Gleichzeitig will dieser Roman trotz der leichten Sprache jedoch nicht einfach nur gelesen, sondern überdacht werden. Und genau dieses Ziel hat Sólveig Jónsdóttir trotz meiner Kritikpunkte bei mir erreicht.

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  • Liebe Katha, ich mag einfach die Tiefenschärfe, mit der du dich deiner gelesenen Literatur widmest. Damit gelingt es dir echte Akzente zu setzen, finde ich. Wie übrigens auch mit dem hübsch arrangierten Bildmaterial zu den entsprechenden Worten. Gelungene Komposition!

    Allerbeste Stöbergrüße,
    Kora

  • Liebe Katha,

    eine tolle Rezension! Bei „Island“ hab ich natürlich gleich aufgemerkt 🙂
    Schade, dass du am Ende noch die Kritikpunkte angebracht hast, ansonsten klingt es nämlich wirklich nach einem interessanten Buch, das ich auch gern lesen würde – nicht nur, weil es in Island spielt und von einer Isländerin geschrieben wurde^^

    Hab einen schönen Abend ♥
    Mandy

    • Ich musste auch sofort an dich denken. 🙂 Ich würde meine Kritikpunkte nicht überbewerten, denn sie entspringen ja meinem persönlichem Empfinden. Probier’s einfach aus, vielleicht ist es für dich ja DAS Buch des Jahres! Wer weiß? 🙂

  • Eine wirklich schöne Rezension. Das Cover und der Titel haben mich aufhorchen lassen, deine Reflektion der zwei in Selbstmitleid zerfließenden Protagonistinnen hat mich allerdings wieder abgeschreckt. Ich bin hin un her gerissen und kann mich nun nicht.entscheiden, ob ich das Buch lesen oder es doch lieber lassen sollte. Vlg Steffi