Kai Meyer – Phantasmen

9783551582928-203x300Format | Umfang: Gebunden mit Schutzumschlag | 400 Seiten.
Verlag: Carlsen.
Erschienen: März 2014. 

ISBN: 978-3-551-58292-8.
€ (D) 19,90 | (A) 20,50
sFr (CH) 28,50*
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Plötzlich müssen die Lebenden die Welt mit den Toten teilen.

Am sogenannten Tag Null erschienen die Geister der Verstorbenen zum ersten Mal an den Orten ihres Todes. Da es stündlich es mehr werden, müssen die Lebenden lernen, die Welt mit den Toten zu teilen. Obwohl das Totenlicht der Verstobenen grell und unangenehm leuchtet, wird schnell deutlich, dass von den starren Abbildern keine Gefahr ausgeht. Doch eines Tages geschieht etwas Merkwürdiges. Auf den Gesichtern der Geister zeigt sich ein grausames Lächeln, das ebenso kalt ist wie das Licht, das aus der Mitte ihrer starren Körper strahlt. 

In dem Moment, als sie zum ersten Mal lächeln, befinden sich Rain und ihre jüngere Schwester Emma mitten in der spanischen Wüste, um die Geister ihrer Eltern aufzusuchen. Diese kamen bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben, wodurch ihre Abbilder die Unendlichkeit in der Einöde Spaniens verbringen. Doch der Abschied wird von dem gefährlichen Lächeln der Verstorbenen überschattet. Auch der Norweger Tyler, der zwischen den Absturzopfern von seiner großen Liebe Flavie Abschied nehmen will und dort auf Rain und Emma trifft, spürt die Bedrohung. Als Einziger erahnt er das drohende Unheil …

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Weißt du, wie es ist, jemanden so sehr zu lieben, dass er in jedem Bild auftaucht, das du dir von deiner Zukunft ausmalst? […] Und nun überleg dir, wie es sich anfühlen würde, wenn ihn jemand aus all diesen Schnappschüssen entfernt. Wenn neben dir nur noch ein leerer Umriss stehen würde, ausgeschnitten wie mit einer Schere. Das sind die traurigsten der traurigen Geschichten. Diese hier ist eine davon. Mit Geistern. Millionen von Geistern. – Seite 9 –

Spannung von der ersten Seite an …

Phantasmen von Kai Meyer gehört zu den Büchern, die ab der ersten Seite zu fesseln wissen. Bereits das erste kurze Kapitel jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. Denn, was geschieht, wenn geliebte Menschen plötzlich versterben? Die Toten bleiben zwar in Erinnerung, doch sind sie in den seltensten Fällen noch dauerhaft präsent. Anders hingegen in diesem Roman, denn hier ist der Tod nicht das endgültige Ende. Hier tauchen die Verstorbenen irgendwann als leuchtendes Abbild wieder auf. Dabei ist es unerheblich, ob der Ort des Todes die offene Straße, ein Krankenhaus oder eben das eheliche Bett war. Eine Grundidee, die mit mit Schrecken erfüllt und gleichzeitig absolut fasziniert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren verzichtet Kai Meyer bei diesem Roman auf eine zu detaillierte Ausarbeitung der Charaktere – Erlebnisse und Hintergründe werden erwähnt, jedoch kaum thematisiert. Als Leser bekommt man gerade so viele Informationen, dass sich Sympathien aufbauen oder vielleicht auch Antipathien entwickeln können, doch der Kern der Charaktere bleibt den Lesern verborgen. Aber genau diese Geheimnisse der machen zugleich einen großen Teil der Spannung aus. Scheinbar unwichtige Details werden plötzlich mitten im Geschehen existenziell, nur um im weiteren Handlungsverlauf plötzlich wieder an Bedeutung zu verlieren. Genau dieses Wechselspiel, reizt immer wieder beim Lesen. Insgesamt bietet dieser Roman ein Wechselspiel von knisternder Hochspannung und sehr kleinen Atempausen. Und genau aus diesem Grund hätte ich mir ein etwas spektakuläreres Ende gewünscht. Doch auch wenn der große Showdown in meinen Augen nicht ganz geglückt ist, verspricht dieser Roman Spannung pur!

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  • Eine Thematik, die wirklich einen großen Gedankenanstoß und genügend Input für Was-wäre-wenn-Szenarien bietet, wie ich aus deiner Rezension schlussfolgere. Für mich persönlich wäre jener Kern der Geschichte, der mehr oder weniger die Grenze zwischen Mystik und emotionaler Veranlagung verschwimmen lässt, der springende Punkt, obgleich ich bisher sonst weniger Leser (Fan) von Lektüre mit derartigem „Im-Reich-der-Untoten-Hintergrund“ bin. Danke für deine Worte zum Buch, liebe Katha!

    Beste Stöbergrüße,
    Kora

    • Hey liebe Kora,

      ich lese auch nicht ganz so oft Romane in dieser Richtung. Hier hat mich der Gedanke hinter der Story allerdings absolut fasziniert und auch gefesselt! Und irgendwie muss man sich ja auch mal aus der Lese-Comfort-Zone herausbewegen. 🙂

      Liebe Grüße
      Katha

    • Vielen Dank, liebe SaFi. Ich freu mich immer, wenn wir bei Romanen ähnlicher Meinung sind – auch wenn ich meist immer etwas später als du lese. 🙂

      Liebe Grüße
      Katha 🙂

  • Eine schöne Rezension, die mir einen guten ersten Eindruck vom Buch vermittelt. Während die „Arkadien“-Trilogie mir persönlich sehr gut gefallen hat, konnte „Asche & Phönix“ bei mir nicht mehr so wirklich punkten – dafür erinnerte es mich zu sehr an seine Vorgänger. Nun lege ich erst einmal eine kleine Kai Meyer Pause ein, schaue mir aber nach wie vor gerne Besprechungen seiner Bücher an. Ich informiere mich quasi schon mal, sollte ich in der Zukunft wieder zu diesem Autor zurück finden…

    LG, Katarina 🙂

    • Danke, liebe Katarina! Ich kenne dieses Gefühl auch, wenn man gerade einfach genug von einem Autor hat. Dann braucht man einfach mal eine Pause und irgendwann siegt die Neugierde wieder! 😉

      Hab einen tollen Tag!

      Liebe Grüße
      Katha

  • Jeder schwärmt so von dem Autor. Ich habe seit Jahren „Frostfeuer“ im Regal stehen und muss es jetzt unbedingt einmal lesen. Nachdem, was ich über Kai Meyer gehört habe, kann es gar nicht schlecht sein.

    lg Florenca

    • Die Idee, bei Kai Meyer mal die Nase zwischen die Seiten zu stecken, kann ich dir nur empfehlen. Ich war auch vor meinem ersten Roman von ihm sehr skeptisch und bin mittlerweile eine begeisterte Leserin. 🙂

      Viele Grüße
      Katha 🙂

  • Hups, warum sehe ich heute diese Rezi erst bewusst? o.O
    Das Buch steht bei mir ja auch noch auf der Wunschliste… Irgendwie… 🙂
    Deine Rezension finde ich mal wieder sehr gut – und das Bild ist der absolute Hammer! Es ist wirklich bewundernswert, wie du die Bücher thematisch und designmäßig passend in Szene setzt. Hach! <3

    Hab noch einen tollen Abend und fühl dich gedrückt!
    SaCre