Das Leben kann ganz einfach sein

Einige von euch wissen vielleicht noch, dass ich vor rund 18 Monaten den Reset-Knopf gedrückt hab. Wenn ich an das letzte Jahr zurückdenke, hatte das was von einem großen Rausch, einer riesigen Party. Alles lief. Vielleicht auch, weil ich einfach keinen Plan B hatte. Wie wir alle wissen, verhindern das Leben und das deutsche Ordnungsamt allerdings zu häufige Feuerwerke. Also hat 2016 mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Trotzdem bin ich überaus zufrieden. Irgendwie hat sich nämlich nicht nur das Drumherum verändert, sondern ich gleich mit. Here’s why:

 

1. Die Comfort Zone …

ist ein fieses Ding. Uns verbindet eine sehr innige und leidenschaftliche Hassliebe. Sie ist meine Flauschzone. Alles in ihr ist irgendwie bequem, kuschlig und leicht zu erreichen. Und gleichzeitig langweilt – nein nervt – sie mich genauso wie Kaugummi unter den Schuhen. Im Gegensatz zu früher weiß ich mittlerweile, dass ich sie regelmäßig verlassen muss, um glücklich zu sein. Das bedeutet für mich übrigens nicht, dass ich plötzlich mit dem Fahrrad die Welt umrunden muss, aber eben meine eigenen Grenzen überschreiten, mich auf Abenteuer einlassen oder neue Dinge lernen. Ich liebe dieses mulmige Gefühl, das ich mit dem Überschreiten der Comfort Zone verbinde. Wen außer mir interessiert schon, welche Figur ich dabei mache?

 

2. Zuckerbrot und Peitsche

Wenn es nicht unbedingt um den Verzicht von Schokolade oder Sushi geht, bin ich ein harter Hund und ziehe meine Pläne oder Durststrecken ohne großes Gejammer durch. Ich stecke die Energie lieber in meine Ziele. Wenn ich dafür zum Beispiel um Fünf aufstehen muss, ist mir das reichlich egal. Gleichzeitig behandle ich mich selbst gut, gönne mir Pausen, wenn ich an meine Grenzen komme, oder belohne mich regelmäßig mit schönen Dingen wie meinem Lieblingsparfum oder einem Sonntag mit Musik und Buch im Bett. Am wichtigsten ist für mich allerdings mittlerweile, dass ich mir selbst verzeihen kann. Ich habe Mist gebaut? Fuck it, ganz im Ernst, sowas passiert. Wahrscheinlich würde ich allen anderen auch ihre Fehler verzeihen, warum also nicht mir?

 

3. Auszeiten

Ich denke viel über mein Leben, meine Beziehungen und meine Ziele nach. Das hat in meinen Augen nichts mit Egozentrik zu tun. Je besser ich mich auf mich und mein Verhältnis zu meiner Umwelt konzentriere, desto besser kann ich mein inneres Gleichgewicht halten oder wiederfinden, wenn doch mal alles aus dem Ruder läuft – was übrigens auch für meine Umwelt ganz angenehm ist. Positiver Nebeneffekt: Ich merke sofort, wenn ich eine Auszeit brauche. Seit ich mir die auch gönne, habe ich eine sehr angenehme Fuck-it-Attitüde, bin weit entfernt von hysterischen Anfällen und schlafe jede Nacht wie ein Baby.

 

Lebensmotto4. Selbstbewusstsein hat nichts mit Arroganz zu tun

Schönheitsideale sind mir die meiste Zeit egal. Klar fänd ich es auch ganz cool, wenn mein Hintern nicht wie die Oberfläche des Mondes aussähe (Richtig, Konjunktiv 2 – auch Realismus genannt.) – aber da wären wir wieder bei Schokolade und Sushi. Außerdem verbringe ich glücklicherweise nicht die meiste Zeit meines Lebens in Unterwäsche in einer schlecht ausgeleuchteten Umkleidekabine mit gefühlten 100 Spiegeln. Ich möchte lieber charakterlich ein bestimmter Typ Frau sein und mag mich die meiste Zeit so, wie ich bin – eben mit all den Fehlern, Makeln und Macken. Wenn ich etwas für meinen Körper tue, dann weil ich das will. Ich schminke mich oder ziehe mich gut an, weil ich für mich gut aussehen will. So einfach, so unspektakulär. Selbstbewusstsein wird übrigens häufig mit Arroganz verwechselt, was ziemlich schade ist. Nur weil ich mich selbst mag, bedeutet das nämlich nicht, dass ich mich als einzig wahres Geschenk Gottes betrachte. Ganz im Gegenteil: Ich muss andere nicht abwerten, um mich selbst gut zu fühlen.

 

5. Zwischenmenschliches

What goes around, comes around. Ich glaube an wenig Dinge im Leben, aber Karma gehört auf jeden Fall dazu. Deshalb versuche ich den Menschen immer mit Offenheit, Respekt und Freundlichkeit zu begegnen. Außer Idioten. Denen begegne ich mit Ignoranz, also gar nicht.

 

6. Es darf auch einfach mal wehtun oder alles scheiße sein

Ich bin kein Stein – Überraschung – also gibt es Situationen, Entscheidungen oder Umstände, die mir wehtun. Dann laufen eben die Tränen. Unter Umständen sehe ich am nächsten Tag aus, als hätte ich einen Boxkampf verloren. Wenn ich also einen Tag lang im Bett liegen, Chips und Schokolade essen und weinen will, dann mach ich das. Wenn es zwei oder drei werden, ist das auch okay. Aber ich setzte mir ein Limit für mein Selbstmitleid. Wenn die Deadline überschritten ist, geht’s weiter – irgendwann ist doch ohnehin alles wieder okay.

 

7.  Grenzen sind nicht immer schlecht im Leben

Wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht, bin ich geduldig, also so richtig. Fast ungesund geduldig, weil ich immer an das Gute im Menschen glaube. Bisher habe ich allerdings weder ein Abo an der Haustür abgeschlossen noch eine überteuerte Kamelhaardecke gekauft – Glück gehabt. Und für das Zwischenmenschliche hab ich zum einen Freunde, die mir im Notfall den Kopf zurechtrücken – oft nicht schön, aber effektiv – und klare Grenzen. Man kann mit mir über jeden Kram reden, aber sobald ein Punkt erreicht ist, an dem ich das Gefühl hab, dass jemand nicht ehrlich ist, Spielchen spielt oder sich für was Besseres hält, bin ich weg – ohne Vorwarnung oder Drama, dafür aber ziemlich entschlossen und immer erhobenen Hauptes. Ich mag übrigens den Begriff Bullshit-Limit total gerne: Der ist zwar nicht immer zutreffend, aber doch häufiger als mir eigentlich lieb ist.

 

8. Niemand muss mich retten

Ich bekomme meinen Kram allein geregelt und brauche mit Sicherheit keinen Prinzen, der mich rettet. Das heißt nicht, dass ich mein Leben alleine meistern muss, aber wenn ich tatsächlich Hilfe brauche, frage ich nach Unterstützung und warte nicht darauf, dass andere meinen Dreck wegmachen.

 

9. Humor

Humor macht das Leben um vieles leichter. Ein Beispiel: Ich bin diese Woche mit vollem Körpereinsatz – und ich habe viel Körper(!) – die Treppe runtergefallen. Wäre ich in der Lage gewesen, irgendwas umzutreten, ich hätte es getan. Konnte ich aber nicht. Also habe ich mich direkt danach erst mal für Tränen entschieden – ihr wisst mittlerweile, darin bin ich wirklich gut. Aber irgendwie hat es nicht lang gedauert und ich konnte die ersten Witze reißen. Humor ist ein wunderbares Mittel, den kleinen und großen Krisen im Leben nicht zu viel Bedeutung beizumessen; und das ist zumindest für mich die beste Verteidigung gegen schwarze Löcher – im Leben und im Herzen.

 

 

10. Freunde

Ohne Freunde geht nichts. Punkt. Sie sind da, wenn alles läuft, aber auch wenn alles auseinanderbricht. Sie kehren Scherben auf und sagen niemals „Ich hab’s dir doch gesagt“, obwohl sie genau das tausendmal getan haben. Ich hab das bereits mehrfach getestet. Meine Freunde sind furchtbar unbequem und sagen selten, was ich hören will, sondern lassen mich wissen, was sie denken. In-your-face-style. In irgendeinem Artikel stand der Satz „Freunde sind wie eine warme Hühnersuppe“ – so sieht’s aus – und vielleicht sind sie sogar die wahre Liebe des Lebens. – An dieser Stelle hat übrigens schon wieder der Hippie in mir die Kontrolle übernommen, aber selbst den mag ich ziemlich gern.
Damit kennt ihr jetzt meine wichtigsten Lebens- und manchmal auch Überlebensstrategien, die dafür sorgen, dass ich zufrieden durch selbiges gehe. Auf Pinterest hab ich übrigens eine Pinnwand zum Thema erstellt. Und nun bin ich neugierig: Wie sorgt ihr dafür, dass ihr zufrieden und somit auch glücklich seid? Habt ihr Themen, über die ihr hier lesen wollt? Bücher zählen übrigens nicht, daran arbeite ich bereits.

Kommentar verfassen

  • Danke Katha, Dein Beitrag, Dein Text ist so Super gerne gelesen und was für mich mitgenommen. Mach genau so weiter! Mit Deinem Leben und dem Bloggen. Zufälligerweise habe ich gerade das Buch „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ gelesen und fand es bei manchen Deiner Punkte sehr schön zu lesen, wie Du Deine Fuck-it-Einstellung einfach umsetzt.
    LG Dani/Brösel

    • Liebe, bezaubernde Dani,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Ich freu mich sehr, wenn du was für dich rausziehen konntest. Genau das habe ich gehofft!

      Das Buch klingt nach einem ganz guten Lesetipp. Ich weiß, dass du eine Besprechung zu machen willst und freu mich schon drauf.

      Liebe Grüße

  • Tatsächlich fühle ich mich gerade an einem Punkt, den du vielleicht vor 18 Monaten erreicht hast. Deswegen: Danke für deinen Beitrag, wird gespeichert und zum Nachdenken bestimmt noch öfter angeklickt. (:

    • Liebe Heike,
      ich glaube, dann kann ich mir in etwa vorstellen, wie es in dir aussieht. So im Nachhinein kann ich dir versichern, dass es immer irgendwie weitergeht. Ich feure dich gedanklich an!
      Liebe Grüße

  • Ziemlich fabulöser Beitrag! Herzlichen Glückwunsch zu der Einstellung – dafür habe ich wesentlich länger gebraucht und kann all die Punkte bis heute nicht immer so richtig durchziehen (wo wieder das mit dem sich selbst verzeihen etc. ins Spiel kommt)! Mach weiter so oder auch ganz anders und bleib vor allen Dingen bitte unserer Branche erhalten, so dass wir alle was davon haben! 🙂

    LG Karla

    • Danke, liebe Karla. Ich hab auch meine Hochs und Tiefs bei der Umsetzung, aber die Linie stimmt und das ist doch das Wichtige. Ich mag die Leidenschaft der Buchbranche, deshalb hoffe ich, dass sie mir die Chance gibt, dass ich ihr erhalten bleiben kann. 🙂

      Liebe Grüße

  • Toller Artikel. Das mit der Auszeit sollte ich auch viel öfter beherzigen *seufz* Dabei weiß ich doch, wie gut es mit tut, wenn ich einen Tag mal faul bin, oder ne Runde rausgehe. Nur hasse ich das Gefühl, unproduktiv zu sein. Deswegen kann ich auch nicht einfach nur eine Serie gucken. „Vampire Diaries“ habe ich in letzter Zeit nur so viel suchten können, weil ich nebenbei ne Decke gestrickt habe. Die ist jetzt fertig. Tja …
    Und neue Dinge lernen, ach ja. Da steht so einiges auf meiner Liste: mindestens fünf Sprachen, Gitarre, Klavier, den Cup-Song (hab da ne Challenge angenommen), … hier hör ich mal auf

    Auf deiner Pinwand schaue ich auch gleich mal vorbei. Ich bin süchtig nach solchen Hippi-Inspirationen

    Liebe Grüße
    Tinka

    • Liebe Tinka,
      das Schöne an den kleinen Auszeiten ist ja, das du eben nicht unproduktiv bist. Du lädst ganz bewusst deine Batterien wieder auf, was danach wieder zu deutlich mehr Produktivität und Wohlbefinden führt – und viel wichtiger noch: Du bist keine Maschine. Du musst nicht dauerhaft produktiv sein. Genieß den Moment. 😉 Ich geh übrigens manchmal einfach 20 Minuten bei mir im Wald spazieren, höre Musik oder denke nach. Das hilft schon.
      Liebe Grüße
      PS: Ich bewundere dich für die Decke. Du bist bestimmt mächtig stolz!

  • Whow, ein super Artikel, der nicht nur mir, sondern sicher auch vielen anderen aus der Seele spricht. Toll, toll, toll!!
    Zu4 & 5 muss ich noch sagen, dass ich dich ja (bisher) nur von Fotos kenne, dass du aber eben eine super Ausstrahlung hast, die sicher auch von den in Punkt 5 genannten Dingen kommt. Und was nützt ein Pfirsich weicher Popo, wenn von innen nix strahlt?
    Ich sage außerdem immer „Wenn ich mich schon nicht mag, wie sollen mich dann die anderen mögen?!“
    In diesem Sinne – go Katharina, go! Bitte weiter so. Frei Schnauze, was dir durch den Kopf geht. Wir (ich spreche einfach mal für andere mit) hören dir zu, lesen dich gern, fühlen uns von deiner Art ernst genommen, gedrückt, gekuschelt und wenn es sein muss auch wach gerüttelt.

    Liebste Grüße
    Nanni

    • Liebe Nanni – btw ich bin schwer verliebt in deinen Namen –, 
      ich freu mich wahnsinnig, dass dir der Artikel gefällt! Ich mag dein Motto und hoffe sehr, dass wir uns vielleicht auch bald mal persönlich kennenlernen. Vielleicht auf der Buchmesse? 🙂
      Du siehst all das, was ich mit dem Artikel erreichen wollte, das ist großartig und das i-Tüpfelchen an diesem fantastischen Tag. Also fühl dich nochmal persönlich gedrückt! 😉
      Liebe Grüße

  • Vielen Dank für deine Worte! Ich habe gleich mal ein Lesezeichen gesetzt, quasi für ‚Notfälle‘. Die Selbstzweifel kommen bei mir gerade nämlich auch in den seltsamsten Momenten zum Vorschein…(und Nr. 6 habe ich auch erst dieses Jahr so richtig zulassen können). Ganz liebe Grüße, Cara

    • Liebe Cara, ich danke dir. Und ganz ehrlich, ich denke, ein paar Selbstzweifel gehören zum Leben dazu. Wie willst du dich sonst weiterentwickeln? Und wenn sie ganz fies werden, dann mach dir vielleicht irgendeinen Kick-ass-Spruch als Smartphone-Hintergrund. Das hilft zumindest bei mir. 😉 Tjoa und das mit dem Wehtun ist so eine Sache. Ich hab mich selbst vor ein paar Wochen deswegen für ein paar Tage verkrochen. Wäre schön, wenn sowas danach wenigstens erledigt wäre. Aber zum Glück bietet das Leben genug schöne Momente, sodass am Ende der Rechnung doch alles gut ist.
      Liebe Grüße

      • Wir sollten uns einfach viel häufiger Komplimente machen und diese auch annehmen (können). Dann wären die Selbstzweifel mal ganz schnell viel kleiner! Ha! Und zum Zweiten: Auch wenn über Social Media und dessen Stressfaktor gerne mal gewettert wird – gerade durch Instagram habe ich im letzten Jahr wieder ein besseres Auge für die kleinen schönen Momente bekommen <3 Liebe Grüße zurück!

  • Hallo liebe Katharina,

    ein toller Beitrag! Bin ich froh, dass ich es in den meisten Situationen meines Lebens mit deinen wichtigen Tipps halte. Das soll jetzt selbstbewusst klingen und nicht arrogant! 😉 Nur meine flauschige Kuschelzone ist manchmal sehr magnetisch. Dafür verzichte ich bin schon seit vier Wochen auf Schokolade und habe deswegen noch keinen Heulkrampf bekommen. 😉

    Ganz liebe Grüße
    Karin

  • Ein schöner Artikel, den man sich ab und an zu Herzen nehmen sollte. Ab und an darf man sich zudem auch bewusst machen, wie gut es einem im Vergleich zu anderen geht. Manche Probleme relativieren sich dann schnell.

    Viele Grüße
    Mona

  • Liebe Katha,

    ein Wahnsinnsartikel *.* Ich habe dabei so viel entdeckt, was ich mit nehmen werde und auch im eigenen Leben gut anwenden kann. Vor allem die Wohlfühlzone mag ich nicht wirklich gerne verlassen, da bin ich ganz eigen 😀 Vor allem Punkt 3 und 6 fällt mir schon auch schwer, ich sehe zwar das die Auszeit nötig ist, schaffe es dann aber nicht sie zunehmen. Dabei wird mir dein Text jetzt hoffentlich helfen, da du mir da so einiges vor Augen geführt hast.

    Liebe Grüße
    Corinna

  • Vielen Dank für diesen tollen Beitrag liebe Katharina! Wird bei mir sofort in den Lesezeichen gespeichert als Inspiration ❤

    Liebe Grüße
    Andrea

  • Bester Blogeintrag, den ich seit LANGEM gelesen habe! Werde mir bei Gelegnehit eine Scheibe von dir abschneiden – bis zu dieser Gelegenheit aber den Text ausdrucken und auswendig lernen. Fühl dich hart gefeiert!!!

  • Asche über mein Haupt, dass mir die Kommentare während meiner Abwesenheit entgangen sind. Ich bin gerade ein wenig überrascht. Danke an alle für die vielen lieben Worte! Ihr seid großartig!