You’re beautiful … 

Kennst du die Artikel, in denen Stars, meist Frauen, vorgeführt werden? Fotos ganz ohne Photoshop, besonders gerne in Frauenmagazinen oder auf den dazugehörigen Onlineseiten … Idealerweise wird den entsetzten Leserinnen und Lesern noch die passende Überschriften geboten: „Schock! Von wegen schön! Sie sieht ungeschminkt aus wie ein alter Lederkoffer!“ Eigentlich schräg. Frauen und Männer werden verschönert, zu Ikonen stilisiert, verfremdet. Menschen werden in Aliens mit riesigen Augen, dünnen Gliedmaßen und unverhältnismäßigen Proportionen verwandelt. Sie verlieren an den Monitoren Kilos wie andere durch mehrere Diäten nicht. Und wenn sie dann am Zenit ihres von den Medien gebastelten Erfolgs sind, wird ihnen das Schönheitskrönchen wieder vom wohl frisierten Haupte gerissen. Das läuft zwar nicht immer so, kommt aber ziemlich häufig vor.

Ich frage mich, wie sich diese Stars und Models wohl fühlen müssen, wenn sie unentwegt ins Fitnessstudio, zum Friseur, Entschuldigung – Hairdresser, und zur Manipedi rennen und trotzdem nie genügen, nie schön genug sind. Haben sie professionelle Distanz? Verseh mich nicht falsch, ich liebe selbst alles, was schön macht – oft schon, weil mir die Produkte ein gutes Gefühl geben. Allein mit den Cremes, der Kosmetik, all den Töpfchen und Tiegeln in meinem Nachtschrank könnte ich eine Weile glücklich leben. Und wenn ich erst mal ein neues Parfüm für mich entdeckt habe, beschere ich dem Unternehmen konstante Umsätze. Seit meiner Liebe für „Ma Vie“ verdient Hugo Boss ziemlich gut an mir.

Schieflage

Trotz der Pflege bin ich aber weit entfernt von einem Schönheitsideal. Mein Gesicht ist zum Beispiel unfassbar unsymmetrisch. Wenn ich in den Spiegel schaue, muss ich oft grinsen. Dann frage ich mich, welchen unerbittlichen Krieg die Gene meiner Eltern geführt haben müssen. Die eine Gesichtshälfte kommt ganz nach meiner Mama, die andere nach meinem Papa. Fremden fallen diese Details meist nicht auf (zumindest bis jetzt) und falls doch, sind sie ihnen egal.

Ganz anders ist das hingegen schon wieder mit der Figur. Hier fühlen sich die Leute gerne bemüßigt auch mal einen Kommentar rauszulassen. „Du hast ja doch schon ein bisschen zugelegt!“ – „Na, dir hat es in den letzten Tagen aber auch ganz gut geschmeckt!“ – „Hast du gerade wieder keine Zeit für Sport?“ Aber es ist nie „so“ gemeint. (Wie eigentlich?) Und ein bisschen „FDH“ (Futter die Hälfte) hat übrigens auch noch nie jemandem geschadet. Aha. Natürlich wird das alles nicht als Bodyshaming gewertet. Eher als gut gemeinter Hinweis, hin und wieder vielleicht auch etwas Nachdruck. Das sind die Momente, in denen ich sehr dankbar für ein gesundes Selbstbewusstsein bin. Das war nicht immer so, aber dafür fühle ich mich heute umso wohler in meiner Haut.

Sie wiegt 120 Pfund – macht sie schlank und schön!

Buzzfeeds „Try Guys“ sind dafür bekannt, dass sie ziemlich abgedrehte Sachen ausprobieren. In diesem Video stellen sie Shootings nach, bei denen die Fotos berühmter Frauen nach abstrusen Idealvorstellungen retuschiert wurden. Photoshop Philipp ahoi! Also werden auch die Bilder der Jungs bearbeitet. Zuvor hatten sie bereits ein „Photoshop-Shooting“ nach männlichen Idealen, dazu gleich mehr, doch mit Ausmaßen der Verfremdung bei den aktuellen Aufnahmen hat niemand von ihnen gerechnet. Was wie Clickbait in einem Artikel klingt, ist eher der Aufruf euch ein ziemlich kluges und unterhaltsames Experiment anzuschauen.

Wie so ein Traummann gebastelt wird

Ach, ist ja alles ganz klar, denkt man. Sieht man doch das daran nichts echt ist! Sicher? Von wegen. Ich war nämlich auch der festen Überzeugung, dass ich Photoshop-Arbeit sofort erkenne. Tjahahahaha. Ich hab mich wohl geirrt. Natürlich ist mir bewusst, dass auch alle professionellen Bilder von Männern bearbeitet sind, trotzdem war es ziemlich ungewohnt, die Unterschiede zu sehen. Und so ist mir beim nachfolgenden Video dann der Mund bei der Erkenntnis offen stehen geblieben, wie einfach sich neue Menschen basteln lassen. Das Anschauen lohnt sich, denn die Jungs teilen gerade zum Schluss ein paar sehr kluge Gedanken mit den Zuschauern. Mein Favorit: „Learn to love yourself for more than just your body.“

Von Love Handles ud Waschbären

Was will ich dir eigentlich damit sagen? Egal, ob du eine krumme Nase, kleine Brüste, Love Handles oder einen Waschbärbauch hast, du bist schön und besonders – trotz und wegen deiner Makel. Ohnehin sind Waschbären unheimlich süß und Love Handles … Wie das schon klingt. Shake it, Mamma! Herrlich!

Übrigens, ganz egal wie lange du die Aufnahmen von irgendwelchen Stars und Sternchen auch anhimmelst, wirst du nie so aussehen. Auch die Personen auf dem Foto werden ihr Ideal nicht erreichen. Also fang statt dessen besser an, deinen Körper zu lieben. Was der den ganzen Tag leistet, sind Millionen kleiner Heldentaten. Kauf Kosmetik, Cremes und Lotions, weil du dich schätzt und pflegen willst, nicht weil du dich verstecken oder in jemand anderen verwandeln willst. Mach Sport, um deinem Körper etwas Gutes zu tun, nicht um ihn in eine andere Form zu pressen. Und sei vor allem eins: nett zu dir selbst.

Und falls alles nichts mehr hilft, der Pickel auf der Stirn richtig nervt, dich die Waage ärgern will oder die Haare einfach total doof liegen, hört dir das nachfolgende Lied an. Wieder und wieder und wieder.

So long,
Kat

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  • Das Experiment werd ich mir gleich anschauen ^^
    Ja, das ist ein wichtiges Thema. Das verzweifelte Versuchen, den eigenen Körper nach einem unerreichbaren Ideal zu formen macht leider nach wie vor Menschen kaputt – gerade in der Pubertät, wo vielen der eigene Körper fremd wird.

    Auf den Gedanken, dass du ein „schiefes“ Gesicht hast, wär ich übrigens im Leben nicht gekommen. Mein original Gedanke war: So eine Hübsche. Weil man sich zum Aussehen anderer halt doch immer was denkt, wenn auch nur unterschwellig.

    • Danke für deinen lieben Kommentar. Ich finde die Videos ziemlich wertvoll, insbesondere da sie einfach eine Männersicht bieten und eben deutlich wird, dass nicht nur Frauen diese Sorgen haben.

      Und danke für das Kompliment. Früher hab ich mir unendlich den Kopf darüber zerbrochen. Heute find ich den Gedanken dahinter eher witzig.

      Hab einen tollen Tag!