Einfach alle Fünfe gerade sein lassen?

Ich glaube, die Zeit und ich werden langsam Freunde. Irgendwie. Also fast. Wenn alles glatt läuft. Diese Woche war bis auf kleine Ausnahmen für meine Verhältnisse fast unspektakulär ruhig. Das lag zum einen an meiner besseren Organisation, zum anderen aber auch an einer ziemlich gesunden Leck-mich-am-Arsch-Stimmung. Denn natürlich sind wieder Kleinigkeiten liegen geblieben. Das jedoch nicht, weil ich sie nicht geschafft habe, sondern weil ich sie ganz bewusst ignoriert habe.

Das Leben verlief vor allem offline-lastig, was ihr auch daran merkt, dass ich die vielen tollen Kommentare immer noch nicht vollständig beantwortet habe. Ich bin eine Freundin des Mottos „Ganz oder gar nicht“. Lieber lasse ich ein paar Tage auf meine Antwort warten, als in der Kürze der Zeit einfach irgendwas zu schreiben, nur um geantwortet zu haben. Falls ich also genau auf deinen Kommentar noch nicht geantwortet habe, sieh’s mir nach. Ich mache meine Hausaufgaben noch, Ehrenwort.

Über den inneren Schweinehund klettern oder lieber dazulegen?

Trotz einer kleinen Erkältung waren die letzten Tage Balsam für die Seele. Es begann bereits am Montag mit Bauchweh vor Lachen und Herzmomenten unter Freunden. Da ich nicht gleich am ersten Tag meine guten Vorsätze über Bord werfen und gut vorbereitet in den nächsten Tag starten wollte – okay, ich habe zumindest kurz darüber nachgedacht – wurde es spät. Richtig spät. So spät, dass ich am nächsten Tag das zunehmende Alter spürte. Dabei bin ich doch erst 32!

Gleichzeitig war diese Woche ein gutes Lehrstück. Ich sollte auch bei mangelnder Motivation öfter mal meinen Hintern hochbekommen und einfach loslegen. Ein gutes Beispiel dafür ist mein Lauftraining vom Donnerstag. Einerseits habe ich mich schon durch ein imaginäres Ziel laufen sehen, andererseits lag meine Motivation im Bett, während ich bereits in den Laufklamotten steckte. Ich freu mich im Nachhinein riesig, dass ich einen großen Hüpfer über meinen inneren Schweinehund gemacht habe. Diese ganzen kleinen Glücksgefühle danach sind unbezahlbar, weil sie sich direkt bemerkbar machen.

Zugegeben, nach dem Laufen hat mich trotz der guten Laune die Lustlosigkeit erwischt, die sich ein wenig durch das Wochenende zieht. Freitag gab’s das Frühstück deshalb vom Bäcker. Leider. Ich fühle mich immer mal wieder unwohl, kämpfe mit Halsweh und die motzige kleine Prinzessin in meinem Kopf will einfach keine Ruhe geben. Und was hilft an solchen Tagen? Richtig, selbst gekochte Hühnersuppe und Tees mit Kräutern aus dem eigenen Garten. Also raffte ich mich am Freitag nach der Arbeit noch auf, um Bio-Hühnchen und Suppengrün zu kaufen und dann ging’s ans Kochen. Mittlerweile lebe ich im Alltag die meiste Zeit fleischfrei, aber an solchen Tagen brauche ich Hühnersuppe, das Stück heile Welt aus der Kindheit.

Oft zahlt sich die Überwindung schließlich doch aus

Ich gestehe, dass heute wieder ein Tag ist, an dem alles ein bisschen Überwindung kostet. Umso besser, wenn es sich direkt lohnt. So konnte ich den Morgen mit einer engen Freundin und ihrer Mutter im Schauspielhaus Frankfurt verbringen, bei einer Martinee für den in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und seine Kolleginnen und Kollegen in Gefangenschaft. Was soll ich sagen? So traurig der Anlass auch war, es war ein Erlebnis! Es lasen unter anderem Jan Böhmermann, Bärbel Schäfer und Alexander Skipis. Ganz abgesehen von der Zeit mit der Freundin – mit der ohnehin jedes Treffen ein Highlight ist – wurde ich mit Texten belohnt, die mir entweder die Tränen in die Augen trieben oder ein Kichern entlockten. Und ja, ich bin ein Fangirl – natürlich habe ich die Kamera gezückt, als Jan Böhmermann ein soziales Experiment ankündigte.

Die letzten Wochen waren ziemlich vollgestopft. (Komisch, dass mir so was immer erst im Nachhinein richtig bewusst wird.) Natürlich sind die Batterien dann mal leer. Das dürfen sie auch sein. Vielleicht klingt es unspektakulär, aber das Zeitmanagement ist eigentlich wie das Autofahren. Es klappt besser, wenn man auch mal rechtzeitig einen Gang runterschaltet. Eben so, wie es gerade erforderlich ist. Das habe ich diese Woche gelernt. Ehrlich, ich fühle mich gerade, als hätte ich das Rad neu erfunden.

Während ich mich nun ganz zufrieden noch auf morgen vorbereite und ein recht positives Fazit ziehe, verrate ich euch auch, was nächste Woche im Fokus steht: der Blog. Zu viele Entwürfe schlummern schon wieder im Backend, Kommentare wollen regelmäßiger beantwortet werden und dann sind da ja auch noch die Ideen für neue Projekte. Wie sich das optimal in den Alltag integrieren lässt, probiere ich nun die restlichen Tage bis zum Ende der Challenge aus. Spannend, denn ihr seid meine Zeugen.

Zur Challenge und Herausforderung

Angeregt von diesem TED-Talk möchte ich mir nun jeden Monat eine persönliche Challenge vornehmen und wöchentlich über die Fortschritte berichten. Die Schwierigkeitsstufen variieren dabei von Monat zu Monat. Ihr seid dabei, wenn ich lerne, zweifle, Erfolge feiere und mich ausprobiere. Schreibt mir auch  gern eure Vorschläge für weitere Challenges in den Kommentaren.

Hierhier und hier könnt ihr übrigens verfolgen, welche Herausforderung ich mir gestellt habe und wie ich mich weiter entwickelt habe.

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    • Ja, das hast du vollkommen recht. Und ich bin mir sicher, dass wir uns heute viel zu oft unter Druck setzen.

      LG Kat

  • Ich habe mir letzte Woche auch einfach mal „gegönnt“ krank zu sein und habe einfach nichts gemacht für zwei – drei Tage. Das war schön. Dann war allerdings das schlechte Gewissen schon wieder da und ich habe mich wieder an den Mac gesetzt. Habe auch noch einpaar Entwürfe, die fertig gestellt werden wollen und die Uni klopft wieder an die Tür mit drohenden Klausuren. Also wieder viel zu tun…
    Dir wünsche ich einen schönen Wochenstart!
    Liebe Grüße
    Jil von http://jilsblog.com

    • Ich war jetzt eine ziemlich lange Zeit außer Gefecht und werde es auch in der nächsten zeit etwas langsamer angehen. Ein schlechtes Gewissen habe ich deshalb nicht. Mein Leben im Gesamtpaket ist mir wichtiger als eine To-do-Liste, weshalb ich immer besser lerne, Prioritäten zu setzen. Viel Glück für deine Klausuren!

      LG Kat

  • Also ich bin sowieso so geworden, wenn ich krank werde oder mich krank fühle bleib ich zu Hause. Ich habe jahrelang alles immer ausgehalten und durfte das letztes Jahr mit einer fetten Lungenentzündung ausmerzen und bin wortwörtlich einen Monat flach gelegen. Das möchte ich nicht nochmal erleben 🙁

    LG Danie von http://www.daaaniieee.at

    • Das machst du richtig so! So habe ich es in den letzten zwei Wochen auch gehalten. Nichts ist wichtiger als die eigene Gesundheit!

      LG Kat

  • Hach ich sollte auch mal mein popöchen hochkriegen und für die Uni lernen…aber klappt zur Zeit nicht so gut Ich nehm mir lieber Zeit für die anderen Dinge im Leben wie schönes Wetter Ist halt manchmal so. Kommen auch wieder Momente wo es dann das Gegenteil ist

    • Manche Menschen bekommen es ja auch ganz gut hin, in der Sonne zu lernen. Bei mir hängt es von der Tagesverfassung ab. Vielleicht ist das ja eine gute Alternative für dich.

      LG Kat

  • Liebe Katharina,

    wieder ein wunderschöner Blogpost von dir! … das mit dem Schweinhund kenne ich gut, aber die Glücksgefühle beim Laufen sind es wert diesen einen Tritt zu verpassen ;-). Leider ist es bei mir mit dem Laufen vorbei und ich bin da gerade sehr deprimiert darüber.

    Das mit dem Journalisten aus Deutschland der in der Türkei festgehalten wird, beschäftigt mich auch sehr. Schlimm, dass Menschen zu Spielbällen der Politik werden … und unfassbar dass dieser Familienvater und Journalist einfach nicht frei kommt.

    danke für die Einblicke in deine Welt :-)!
    Sonnige Grüße
    Verena

    • Oh nein, das habe ich gar nich mitbekommen, dass du nicht mehr läufst. Das ist aber schade, wo du doch den 10km-Lauf vor dir hattest. Ich hoffe, du wirst schnell wieder gesund und du kannst bald wieder durch die Gegend flitzen.

      LG Kat

  • Hi liebe Katharina
    Ein wunderschöner Blogpost. Manchmal muss man einfach einen Gang zurückschalten, sich ausruhen oder mal liegen bleiben.
    Ganz liebe Grüsse Lena

    • Vielen Dank. Nach Abschluss der Challenge ist das Ergebnis zwar durchwachsen, aber trotzdem irgendwie zufriedenstellend.
      LG Kat

  • Es geht doch nichts über das Gefühl, wenn man ab und an mal den inneren Schweinehund überwindet 😉 Es klingt immer etwas hart, aber manchmal muss man sich einfach zum Glück „zwingen“. Gerade beim Sport gehts mir öfters so – aber wenn ich mich dann überwunden habe, bin ich umso glücklicher 😉

    Sonnige Grüße,
    Mia

    • Beim Sport geht es mir auch häufig so, aber das Gefühl danach ist einfach unbezahlbar. Der kleine Schweinehund kann zwar manchmal doch ganz schön riesig sein, aber es lohnt sich, ihn zu überwinden. Das mach ich gleich auch wieder, obwohl es draußen furchtbar ungemütlich ist. Aber ich freu mich jetzt schon auf das tolle Gefühl danach.
      LG Kat

  • Sehr schöner und wahrer Post!. Ich finde es im Alltag oft schwierig die Balance zu finden. Eigentlich müsste man ja… aber eigentlich möchte man auch wieder nicht. In sportlicher Hinsicht liebe ich diese Grenzerfahrungen und den Kampf mit dem Schweinehund, aber man wird auch nicht jünger. Ich musste auch lernen, dass es manchmal Ruhezeiten braucht. Wie gesagt, die Balance zu finden ist manchmal nicht einfach…

    • „Die Balance finden“… das ist ein gutes Stichwort. Ich glaube, das ist heute in unserer Zeit der Superlativen ziemlich schwer. Ich übe das gerade. Langsam finde ich übrigens auch Gefallen an sportlichen Herausforderungen. Hat auch nur über 30 Jahre gedauert.
      LG Kat

  • Es gibt Dinge, die kann man auch mal liegen lassen und lieber das Leben genießen. Allerdings sollte man darüber nicht seine Ziele verlieren. Ich finde Du machst es genau richtig.
    Liebe Grüße Regina

    • Stimmt, ich glaube, sobald man das richtige Mittelmaß gefunden hat, macht das Leben ziemlich viel Spaß – ganz ohne schlechtes Gewissen. Man weiß nämlich, dass man einfach gerade nur Anlauf nimmt.
      Liebe Grüße
      Kat